
Rückblick: Das Anti-Atom-Jahr 2012
Pressemitteilung des Trägerkreises in Neckarwestheim vom 11. März 2012
Für die echte Energiewende –
mit dem konsequenten Atomausstieg und höherer Effizienz
5000 Menschen demonstrieren am Fukushima-Jahrestag in Neckarwestheim
Am heutigen Sonntag haben 5000 Menschen bei einer Großdemonstration am Atomkraftwerk Neckarwestheim an die Reaktorkatastrophe von Fukushima vor genau einem Jahr erinnert. Die Demonstranten forderten im Spiegel der Folgen von Fukushima den sofortigen Atomausstieg und verstärkte Anstrengungen für eine echte Energiewende.
Neckarwestheim. „Das mahnende Beispiel Fukushima zeigt deutlich: Am sofortigen Atomausstieg führt kein Weg vorbei“, sagte BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender bei der Kundgebung, „Atomenergie ist nicht vollständig beherrschbar und führt im Unglücksfall zu verheerenden Folgen. Wir müssen die Verwendung dieser Technologie stoppen und den Weg der Energiewende konsequenter gehen.“ Die BUND-Landesvorsitzende forderte die Landesregierung auf insbesondere im Bereich der Energieeffizienz und Energieeinsparung mehr zu tun.
„Ohne die Steigerung der Energieeffizienz und Einsparungen wird die Energiewende nicht gelingen. Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie noch in diesem Jahr ein Konzept dazu vorlegt“, so Dahlbender. Insgesamt müsse in Sachen Energiepolitik ein Umdenken stattfinden: Weg von der Bevorzugung der großen Stromkonzerne, hin zu einer dezentralen, effizienten Energieversorgung.
Für die lokalen Bürgerinitiativen wies Herbert Würth vom Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim auf die Gefahren hin, die vom Atomkraftwerk für die Region und das ganze Land ausgehen. „Im 20-Kilometer-Umkreis des Werks leben über 850.000 Menschen, das sind mehr als zehnmal so viele wie in Fukushima. Bei einem Super-GAU in Neckarwestheim kann je nach Windrichtung eine viele hundert kilometerlange radioaktive Schneise entstehen“, so Würth. Ein Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Neckarwestheim und von 8 weiteren Atomkraftwerken in Deutschland für die nächsten zehn Jahre ist für Würth kein Atomausstieg, sondern angesichts der Katastrophe von Fukushima ein politischer Kniefall vor den Energiekonzernen.
Koji Mochizuki, in Deutschland lebender japanischer Umweltexperte, referierte über die konkrete Situation vor Ort in Fukushima sowie über den Umgang der japanischen Gesellschaft und der Regierung mit dem GAU. „Es zeigt sich, dass die Bürgerinnen und Bürger in Japan immer kritischer zur Atomenergie stehen“, so Mochizuki.
Valentin Hollain, Wissenschaftlicher Leiter von Eurosolar, der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien, betonte in seinem Redebeitrag, dass die Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energiequellen systematisch ausbremse. „Einspeisevergütungen für Windkraft an Land und Photovoltaik in Bürgerhand werden gekürzt, dezentrale Speicher-Technologien nicht ausreichend gefördert“, so Hollain, „und für Energieeinsparungs- und Energieeffizienz-Maßnahmen wird zu wenig getan.“
Zum Gedenken an die Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima hatten die Demonstrationsteilnehmer Hunderte von Origami-Kranichen gefertigt und zur Veranstaltung mitgebracht.
TV / Video: SWR Landesschau - ARD Tagesthemen - mehrere Japanische Nachrichtenberichte auch über Nacharwestheim
- weitere TV-Berichte (Arte-Journal, Euronews, Tagesschau)
- Live-Video-Mitschnitt der Reden vor den Reaktorblöcken in Neckarwestheim (Danke Cams21)
Artikel der Zeitungen aus dem Großraum Neckarwestheim vom 12.03.2012
Fotos: BUND BW - BBMN.de - abc - Fluegel.tv
Redemanuskript Koji Mochizuki
Gemeinsame bundesweite Pressemitteilung vom 11. März 2012
Fukushima-Demonstrationen in sechs deutschen Regionen: Zehntausende fordern von Bundesregierung schnelle Energiewende und Atomausstieg
Berlin. Unter dem Motto "Fukushima mahnt: Atomanlagen jetzt abschalten!" haben am Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima rund 50.000 Menschen in sechs Regionen in Deutschland demonstriert. Zu ihren Forderungen gehörten die Einstellung der Urananreicherung im nordrhein-westfälischen Gronau und ein Neustart beim Umgang mit dem radioaktiven Atommüll. Gorleben und Schacht Konrad müssten als Endlagerstandorte aufgegeben und der Atommüll aus den Lagern Asse II und Morsleben herausgeholt werden.
In Japan, Frankreich, Belgien, Luxemburg, der Schweiz und Polen fanden ähnliche Kundgebungen statt, bei denen der Opfer der Atomkatastrophe gedacht und eine Abkehr von der Atomenergie gefordert wurde. Allein in Frankreich beteiligten sich 60.000 Menschen an einer Menschenkette zwischen Lyon und Avignon.
Das Atomkraftwerk Brokdorf umzingelten mit einer Menschenkette rund 3000 Demonstranten, am AKW Gundremmingen versammelten sich 5500 und am AKW Neckarwestheim 5000 Menschen. In Hannover demonstrierten 7000 gegen die Atomenergienutzung, bei der Urananreicherungsanlage Gronau mehr als 4000. Bei einer 75 Kilometer langen Lichterkette in der Region um die Atommülllager Asse und Schacht Konrad beteiligten sich etwa 24.000 Teilnehmer.
Die eindrucksvollen Protestdemonstrationen sind für die Veranstalter ein deutliches Signal an die Bundesregierung, endlich die notwendigen Konsequenzen aus der Fukushima-Katastrophe zu ziehen. Der halbherzige und viel zu langsame Atomausstieg in Deutschland müsse deutlich beschleunigt und die Energiewende energisch vorangetrieben werden. Die Mehrheit der Bevölkerung sei für einen schnelleren Atomausstieg. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Norbert Röttgen müssten außerdem den Verharmlosern der Fukushima-Katastrophe in den Chefetagen der Energiekonzerne entschieden entgegentreten.
Der Aufruf zur Demo in Neckarwestheim:
So 11.03.2012, 13 Uhr, Kirchheim/N., Bhf, Demo zum Atomkraftwerk Neckarwestheim 2
1 Jahr Fukushima
Aus und Schluss für
Neckarwestheim 2!
Am 11.3.2011 löste ein Erdbeben und der nachfolgende Tsunami in Japan eine nicht fassbare atomare Katastrophe aus: In Fukushima schmolzen in drei Reaktoren die Brennelemente - der nächste Super-GAU nach Tschernobyl war eingetreten.
In Deutschland werden 8 Atomkraftwerke abgeschaltet, 9 erhalten eine Laufzeitgarantie. Dieser "Atomkonsens" ist für uns nur eine Etappe. Denn erst 2015, 2017 und 2019 soll jeweils nur ein AKW stillgelegt werden. Erst in 10 Jahren, Ende 2021 und 2022, sollen die letzten sechs Atomkraftwerke stillgelegt werden – Neckarwestheim 2 als einer der letzten Reaktoren.
Unterdessen wird mit Steuergeldern die nächste Reaktor-Generation entwickelt und für den Bau von Atomkraftwerken im Ausland gebürgt. Und es wird weiter Atommüll produziert - allein in Neckarwestheim 2 jedes Jahr bis zu 53.000 Kilogramm hochradioaktiver Müll.
Atomausstieg sieht anders aus!
20 km um Fukushima mussten 78.000 Menschen ihre Heimat für immer verlassen. Auch außerhalb dieser Zone sind seitdem Mensch und Umwelt radioaktiv verstrahlt worden. Die freigesetzte Menge an radioaktivem Caesium beträgt dabei das 168-fache des Atombombenabwurfs von Hiroshima. Die Menschen werden das gleiche Schicksal wie nach Tschernobyl erleiden müssen: Gesundheitliche Folgewirkungen wie Totgeburten, Fehlbildungen der Kinder, Krebserkrankungen und genetische Veränderungen für mehrere Generationen.
Fukushima mahnt: Kein Atomkraftwerk ist sicher - jedes AKW gefährdet uns und unsere Zukunft!
20 km um Neckarwestheim 2 leben über 850.000 Menschen. Nur für den 10 km-Radius ist in den Katastropheneinsatzplänen die Evakuierung geplant: Vorwiegend im Privat-PKW und über Sammelstellen. Tierkadaver sollen in Freibadbecken abgelegt werden - der Hilfs-Einsatz am Reaktor selbst ist ungeklärt.
Die Emissionen im Betrieb und insbesondere bei der jährlichen Revision erhöhen das Kinderkrebsrisiko vor Ort. Und auch im 23 Jahre alten Reaktor Neckarwestheim 2 ist ein plötzlicher Stromausfall nicht sicher beherrschbar, was zu einem Versagen der Notkühlung führen kann – ähnlich wie in Fukushima.
Sicherheit sieht anders aus!
Die hilflosen Rettungsarbeiten in Fukushima brachten bis heute die Kernschmelzen nicht wirklich unter Kontrolle. Das Meer, die Luft und der Boden werden weiterhin verseucht. Radioaktivität verbreitet sich ungehemmt in der Nahrungskette.
In Deutschland verkündet Angela Merkel vollmundig die Energiewende – und bremst sie kurzerhand aus: Dezentrale Speicher-Technologien werden nicht ausreichend gefördert. Die Einspeisevergütung für Windkraft an Land und Photovoltaik in Bürgerhand wird gekürzt - die Offshore-Windparks der Atomkonzerne dagegen werden kräftig bezuschusst. Für Energieeinsparungs- und Energieeffizienz-Maßnahmen wird zu wenig getan.
Energiewende sieht anders aus!
Wir wollen eine nachhaltige, dezentrale und bürgernahe Energieversorgung.
Keine Kilowattstunde Atomstrom mehr.
Atomausstieg sofort!
Energiewende jetzt!
Den Trägerkreis der Veranstaltung bildeten:
- BUND Landesverband Baden-Württemberg
- Bund der Bürgerinitiativen mittlerer Neckar (BBMN)
- BI AntiAtom Ludwigsburg
- Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim
- Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn
- IPPNW Stuttgart (Ärzte zur Verhinderung des Atomkrieges - Ärzte in sozialer Verantwortung)
- Klima- und Umweltbündnis Stuttgart (KUS)
- Aktion Strom ohne Atom Stuttgart
- Verein zur Förderung Kommunaler Stadtwerke, Stuttgart
Schon früh kam es darauf an, dass die Aktion eine breite Unterstützung bekammt. Wir suchten Organisationen, Gruppen, Vereine und Parteien, die obenstehenden Aufruf unterstützten und selbst zur Kundgebung aufriefen. Die Unterstützung war mit einer Spende verbunden (wenn möglich: Lokale/Regionale Gruppen 50 Euro, landesweite Organisationen 200 Euro, gerne mehr). Alle Unterstützer sind hier veröffentlicht. Wir freuen uns über Rückmeldungen an kontakt@bbmn.de
Folgende Organisationen haben die Veranstaltung unterstützt:
- ÖDP Landesverband Baden-Württemberg
- ÖDP Kreisverband Heilbronn
- Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie
- Initiativkreis Energie Kraichgau
- .ausgestrahlt
- Bündnis 90 / Die Grünen Kreisverband Heilbronn
- Bündnis 90 / Die Grünen Kreisverband Ludwigsburg
- AK.W.ENDE Bergstrasse
- Bürgerbewegung für Kryo Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz
- Schwabenstreich Degerloch
- Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
- Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
- Arbeitskreis Energie des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
- atomkraftENDE.darmstadt
- MLPD Landesverband Baden-Württemberg
- Die Violetten Landesverband Baden-Württemberg
- DIE LINKE Landesverband Baden-Württemberg
- Bündnis 90 / Die Grünen Landesverband Baden-Württemberg
- Grüne Jugend Baden-Württemberg
- NABU Baden-Württemberg
- BUNDjugend Baden-Württemberg
- Bündnis gegen Atommülllager Hanau
- Arbeitskreis Kommunalpolitik Kirchheim/Neckar
- SPD Kreisverband Ludwigsburg
Mobilisierung und Organisation kosten viel Geld. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Spendenkonto:
Bund der Bürgerinitiativen mittlerer Neckar e. V.
VR-Bank Stromberg-Neckar eG
BLZ 604 91 430
Kontonummer 47 17 90 001
Stichwort „Spende Fukushima-Demo“
Die bundesweiten Demonstrationen am 11. März werden von einem breiten Bündnis getragen. Dazu gehören regionale Bündnisse vor Ort, wie unser obiges für Neckarwestheim und bundesweite Organisationen, die sich in einem Koordinationskreis zusammengeschlossen haben.
- Attac
- .ausgestrahlt
- BIU Hannover
- BUND
- Campact
- contrAtom
- Naturfreunde Deutschlands
- Netzwerk Friedenskooperative
- Robin Wood
- urgewald
Alle Informationen auf www.anti-atom-demo.de


















